Der Pflichtteil – oder: wem MUSS ich eigentlich was vererben?

16. Februar 2020

Wenn eine Immobilie zu vererben ist, und es ist trotz intensiver Suche kein Testament aufzutreiben, dann greift die gesetzliche Regelung der Erbfolge. Sie schreibt fest, wer wie viel von der Erbmasse zu bekommen hat – man spricht hier von der Erbquote.

Klassisch und wahrscheinlich auch allseits bekannt ist der Vorrang eigener Kinder und die Aufteilung auf diese zu gleichen Teilen.

Aber auch mit Testament ist die gesetzliche Erbfolge bzw. Erbquote nicht ganz unwichtig – sie bestimmt nämlich je nach familiärer Beziehung auch den Pflichtteil, also den Anteil an der Erbmasse, der einem Erben auf (fast) jeden Fall zusteht. Das ist immer die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Pflichtteilsberechtigt sind nur die Nachkommen, der Ehepartner und die Eltern für den Fall, dass der Erblasser kinderlos verstirbt. Ein Pflichtteil kann, wenn das Erbe aus einer Immobilie besteht, finanziell ausgeglichen werden. Dieser Ausglich muss jedoch in bar, also in Geld und unmittelbar nach Eintreten des Erbfalls, erfolgen.

Jetzt aber zur Praxis.

Gehen wir von drei zu vererbenden Immobilien aus:

  • Ein Einfamilienhaus
  • eine Eigentumswohnung
  • und ein Mehrfamilienhaus

deren angenommener Gesamtwert bei etwa 690.000 Euro liegt.

Es gibt drei Kinder, die die einzigen Erben sind. Somit beträgt die Erbquote je 1/3. Bei dem angenommen Gesamtvermögen von 690.000,00 Euro wären das für jedes Kind ein Anspruch auf 230.000,00 Euro

Oder eben zumindest auf einen Pflichtteil von 115.000,00 Euro, sollte der Erblasser ein Kind (oder eine andere Person) als Alleinerben eingesetzt haben. Dieser Pflichtteil müsste dann ausgezahlt werden, was bei maximal 345.000 Euro sicherlich einen teilweisen Verkauf der Immobilien erforderlich machen würde.

Aber von welcher? Das hängt vom jeweiligen Wert ab – und hier kommt die Expertise des Sachverständigen ins Spiel. Denn nur eine tragfähige Immobilienbewertung kann klären, wie hoch die Einzelwerte der Immobilien wirklich sind. Und damit sowohl die tatsächliche Erbmasse als auch die jeweiligen Pflichtteil. Und sie kann bei der Entscheidung helfen, welche Immobilie am sinnvollsten ganz oder teilweise zu veräußern wäre, md die Pflichtteile auch wirklich auszahlen zu können.

Der Pflichtteil